Ricotta-Limetten-Torte – Heute geht unser besonderer Gruh-uh-uhß an ein wunderbares Handwerk. Nein, nicht das Bäcker- und Konditorenhandwerk, das einem nicht auf Emails antwortet. Nein, wir gehen näher ran an die Menschen. Weg aus den oftmals anonymen Backstuben nach vorn. An die Front. Die Kuchenfront. Dort wo Mensch auf Gebäck trifft. Ja, wir sprechen von der Kuchentheke. Es ist kein leichter Job, aber einer muss ihn machen. Und verdammt noch mal, sie machen ihren Job gut – die kleinen Mädels in den neckischen Rüschenschürzchen. Sie stehen ihn jeden Tag durch, den Kampf mit dem Kunden. Sie sind es, die einem sagen, was man mit: „Wissen Sie so einen wo, da so Schoko, aber nicht das braune, sondern das andere, wo so immer. Ne. Weich, also so halbfest mehr. Halt irgendwie wie das andere Zeug.“ meint. (Apfelstrudel Anm. d. Red.) So auch heute, bei der Ricotta-Limetten-Torte. Man muss dazu sagen, die Ricotta-Limetten-Torte schmeckt nicht nur frühlingshaft leicht, sondern ist auch an sich fluffig locker in der Konsistenz. Weshalb sich das „einfache Verpacken“ hierfür nicht eignete. Aber eine Konditorfachverkäuferin (Verkäufer gibt es nicht. Männern fehlt da ein Gen. Sagt Herr Sahnazin.) wäre keine Konditorfachverkäuferin wenn sie diese knifflige Aufgabe nicht routiniert gelöst hätte. Mit flinken Fingern verpackte sie beinahe origamisch die drei instabilen Tortenstücke. Man konnte wieder gut erkennen, dass es sich nicht allein um einen leicht zu erlernenden handwerklichen Vorgang handelt. Nein, eher wie ein Tanz mit einer bereits in Fleisch und Blut übergegangenen Choreografie. Der zartweiße Pappboden, das Messer, das aus dem Wasser genommen wird und durch die Torte gleitet. Der Tanz auf der Kuchenschaufel und final, die Zellophanfolien, die auch auseinander halten, was der Mensch geteilt hat.
Und was macht der tumbe Kunde – unachtsam schwang er das tütene Papier weitausladend vom Tresen.
„Un seiedse bloß vorsichtig mit derer Tüt!“ rief es nachdrücklich, aber nicht weniger liebevoll über die Kuchentheke. Und man merkt: Es ist für sie halt jedes Mal, als würden sie ihr Kind aus den Händen geben.